(M)ein Tag als Spießgehilfe
Eigentlich hatte Oberstabsgefreiter Thomas E. vor vielen Jahren - nach SaZ 2 - mit dem „Soldatsein“ abgeschlossen. Eigentlich. Doch der russische Angriffskrieg auf die Ukraine weckte in ihm den Wunsch, „seinem Land wieder aktiv zu dienen“ – als Reservist. So fand er nach über 30 Jahren seinen Weg zurück zur Bundeswehr, nämlich zum Sicherungsbataillon 1 „Oldenburger Jäger“. Dort ist er in der ersten Kompanie als Spießgehilfe eingesetzt. Was macht so einer auf Übung? Hier sein ganz persönlicher Blick hinter die Kulissen:
Früh am Morgen – Versorgung unterwegs
Der Wecker klingelt früh – viel zu früh. Leise raus den Federn, um die anderen nicht zu wecken. Schon vor dem offiziellen Dienstbeginn treffen wir uns am Fahrzeug. Es ist eiskalt. Gut, dass ich ein paar Minuten früher am Transporter war, um die Scheiben zu enteisen. Das war eine harte Nacht draußen im Gelände. Unsere Kameradinnen und Kameraden freuen sich sicher über heiße Getränke und ein Frühstück. Der Spieß kommt. Los geht es Richtung Truppenküche, wo die Wärme- und Transportbehälter bereitstehen. Die Männer aus der Truppenküche, die noch früher aufgestanden sind als wir, sind schon voll in ihrem Element. Wir verladen die Versorgungsboxen sicher auf dem Fahrzeug. Nicht, dass uns die Feldjäger unterwegs auf Ladungssicherheit kontrollieren…
Vorbei am Torposten geht es hinaus ins Gelände. Auf der Panzerringstraße steuern wir als erstes den Whiskey-Zug an. Gerödel anlegen und raus aus dem Fahrzeug. Während die Whiskey-Soldatinnen und Soldaten schon wieder in Ausbildung sind, bauen wir die Frühstücksstation auf. Es gibt heißen Kaffee und Tee, Brötchen, Brot, Butter, Marmelade, Müsli, Milch, Wurst und Käse. Auch Frühstückseier haben wir dabei. Die Nacht im Biwak war kurz und kalt. Alle sind durchgefroren, aber die warmen Getränke bringen sie wieder auf Trab. Es gibt ein paar aufmunternde Worte vom Spieß – wichtig für die Moral.
Die Tee- und Kaffeekanister lassen wir vor Ort. Schnell noch eine Warmhaltebox mit Spülwasser abladen und schon fahren wir weiter zum nächsten Versorgungsstopp. Danach geht es endlos lange über die Ringstraße zurück ins Lager und schnurstracks zur Truppenküche. Dort leeren wir die Essensreste in die dafür vorgesehenen ReFood-Mülltonnen und bringen die Warmhalteboxen zum Spülen.
Koordination der Truppenversorgung und weitere Aufträge
Während ich die Warmhalteboxen in die Küche bringe, koordiniert der Spieß mit der Küchencrew die weitere Tagesverpflegung. Auch zu Mittag und am Abend wird ein Großteil der Kameradinnen und Kameraden unseres Bataillons noch im Feld sein.
Nachdem alles abgeladen und die Tagesverpflegung organisiert ist, geht es zurück in die Unterkunft. Wir melden wir dem Kompaniechef die Truppenstärke und bekommen gleich weitere Aufträge. Heute kommen Soldatinnen und Soldaten mit der Bahn an, um am Wochenende bei unserer Einheit zu schnuppern. „Interessentenwochenende“ nennen sich die Kurzübungen mit regelmäßig zwischen 15 und 30 Teilnehmern. Mein Auftrag: Interessenten am Bahnhof in Celle aufnehmen und in die Kaserne bringen. Schnell noch die Ausrüstung richten und die Mobilnummern der Neuankömmlinge notieren.
Und los geht die Fahrt Richtung Celle. Dort angekommen, wartet schon ein Kamerad auf mich. In der nächsten halben Stunde trudeln zwei weitere ein. Das Gepäck wird hinten auf der Pritsche verstaut, verzurrt und schon fahren wir zurück in die Niedersachsenkaserne.
Warmes Mittagessen und „EPa“ für den Abend
Kaum zurück vom Personentransport, holen wir schon das Mittagessen aus der Truppenküche. Wie immer ist auf die Männer und Frauen aus der Küche Verlass. Pünktlich stehen unsere Warmhalteboxen sowie die Getränkebehälter für uns bereit. Wir verladen Essen und Getränke auf der Ladefläche und sichern die Ladung.
Im Gelände werden wir schon sehnlichst erwartet. Zeit für eine warme Mahlzeit bei mehr als frischen Temperaturen. Da kommt das Gulasch mit Reis und Gemüse gerade recht. Der Spieß verteilt großzügig. Und ein Nachschlag geht immer. Natürlich haben wir auch ein veganes Gericht dabei. Zum Nachtisch gibt es Obst. Wir lassen die frischen Kaffee- und Teekanister da und stellen auch wieder heißes Spülwasser bereit. Wer noch Heißhunger auf eine Cola, einen Energy-Drink oder einen Schokoriegel hat, ist beim Spieß gut aufgehoben. Der Marketender verkauft Energie und gute Laune.
Das Abendessen für das Nachtbiwak lassen wir auch gleich da. Für den Abend gibt es Verpflegung aus der „Einpersonenpackung“ kurz EPa, mit der sich Soldatinnen und Soldaten einen Tag lang autark ernähren können. Wir versprechen, am Abend trotzdem noch einmal mit Heißgetränken vorbeizuschauen.
Und wieder geht es endlos lange zurück in die Kaserne. Boxen und Geschirr in der Truppenküche abliefern, Essensreste entsorgen. „Same procedure …!“
Der Nachmittag – fahren, fahren, fahren …
Zurück in der Truppenunterkunft wartet schon der nächste Fahrauftrag auf mich: ein Kamerad ist verspätet eingetroffen und soll zur Schießbahn Munster gebracht werden. Mit ca. 45 Minuten einfacher Fahrt nicht gerade „um die Ecke“. Auf dem Rückweg in die Kaserne fahre ich schnell noch zum Tanken. In der Mannschaftsunterkunft wartet schon der Spieß. Für die traditionelle Zeremonie der „Jägertaufe“ am nächsten Abend werden noch Getränke benötigt. In unserem Infanterie-Bataillon werden morgen Kameradinnen und Kameraden, die die Jäger-Modulausbildung beim Whiskey-Zug erfolgreich durchlaufen haben, feierlich in die Gemeinschaft der Infanteristen aufgenommen. Also wieder rein ins Fahrzeug und rüber zum Kantinenwirt. Dort stimmt der Spieß den Bedarf und die Logistik für den nächsten Abend ab. Ich schreibe fleißig mit. Bis morgen habe ich sonst wieder die Hälfte vergessen …
Der Abend – ein langer Tag neigt sich dem Ende zu
Zurück in der Unterkunft bleibt Zeit für eine Tasse Kaffee. Der Spieß bespricht mit mir die restlichen Aufträge für den heutigen Tag. Nach dem Abendessen in der Kantine bringen wir noch – wie versprochen – Heißgetränke raus. Der Marketender öffnet nach Dienstschluss und verkauft Bier, Softgetränke, Gummibärchen und Schokoriegel. Das Angebot wird rege genutzt. Abgekämpfte Soldatinnen und Soldaten stehen zusammen und unterhalten sich. Nach und nach wird es ruhiger in der Unterkunft. Nach Mitternacht schließen wir den Verkauf. Ein langer Tag geht zu Ende. Schnell noch duschen und ab in die Federn. Morgen früh um kurz nach fünf Uhr ist die Nacht vorüber.
Fazit: Ein Tag als „Spießgehilfe“
Wenig Schlaf und viele Kilometer. So könnte man diesen „Arbeitstag“ kurz zusammenfassen. Die Verpflegung der Truppe mit allem was die Leistungsfähigkeit aufrechterhält ist unsere zentrale Aufgabe.
Nach vier Tagen Reservedienst bei den Oldenburger Jägern geht es am Sonntagnachmittag 400 km Richtung gen Heimat. Zufrieden, meinen Beitrag geleistet zu haben. Mit 56 Jahren übe ich nicht mehr an „vorderster Front“. Aber als Gehilfe unterstütze ich gerne „meinen“ Spieß für das Wohl unserer Truppe. Getreu dem Motto "Wir. Dienen. Deutschland".










