Oldenburger Jäger beim Fast Roping
„Ich stehe am Turm, das Seil vor mir, die Hände leicht feucht. Nicht vor Angst, sondern vor Spannung. Neben mir höre ich ein kurzes „Bereit?“, dann geht es los. Zusammen mit neun weiteren Kameraden und einer Kameradin sind wir für eine Woche beim Seebataillon in Schleswig-Holstein, um Fast Roping zu erlernen.
Zuerst am Turm

Nach einer klaren theoretischen Einweisung hängen wir schneller am Seil, als ich es erwartet hätte. Schritt für Schritt arbeiten wir uns nach oben: erst gesichert und ohne Ausrüstung. 3 Meter, 6 Meter, 9 Meter, schließlich 12 Meter. Jeder Meter bringt mehr Routine, mehr Vertrauen ins Material und in die eigene Technik. Kurz darauf lassen wir die Sicherung hinter uns. Ungesichert, erst ohne, dann mit voller Ausrüstung. Das Gewicht zieht, das Seil läuft heiß durch die speziellen Fast Roping Handschuhe, und ich spüre, wie jede Bewegung sitzen muss.
Der Ausbilder ruft von unten: „Wenn es brennt: Notstop!“ Also trainieren wir genau das. Wir schlingen und klemmen uns das Seil kontrolliert zwischen die Beine, bringen uns in Sekunden zum Stillstand. Wieder und wieder, bis der Ablauf sitzt wie ein Reflex. Technik, die im Ernstfall zählt.
Die nächste Stufe fordert uns als Team: Mindestens zwei Personen gleichzeitig am Seil. Kein Zögern, kein Chaos. Wir bewegen uns abgestimmt, schnell und effizient. Ein fünfköpfiges Team setzt innerhalb kürzester Zeit ab. Genau darum geht es: Tempo, Präzision, Vertrauen.
Dann am Hubschrauber

Für die sogenannte TIV ID reicht der Turm allein nicht aus. Der nächste Schritt wartet bereits, der Hubschrauber. Ein NH90 Sea Lion der Marine steht bereit, Rotoren peitschen die Luft, der Downwash drückt spürbar auf den Körper. Ich sitze im Laderaum, schaue hinaus, dann kommt das Zeichen. Mindestens zwei Abgänge am Tag, zwei bei Nacht. Im Dunkeln verändert sich alles. Die Sicht, die Orientierung, das Gefühl für Höhe. Aber genau hier zeigt sich, ob die Ausbildung trägt.
Gemeinsam mit spezialisierten Kräften der Marine trainieren wir auf einem nahegelegenen Fliegerhorst. Eingeteilt in Fünfer-Teams rotieren wir durch die Durchgänge, jeder Handgriff standardisiert, jeder Ablauf klar. Nach jedem Durchgang erfolgt auch hier eine individuelle und schonungslose Rückmeldung. In dem Fall des Ausbilders der spezialisierten Kräfte.

Geschafft
Als ich das letzte Mal in der Landezone aufkomme und das Seil verlasse, drückt mich der Wind des Rotors nach unten. Ich richte mich auf, sehe meine Kameraden. Kurze Blicke, dann breites Grinsen. „Sauber durchgezogen“, sagt einer und klopft mir auf die Schulter. Noch im Downwash stehend gratulieren wir uns herzlich gegenseitig zur bestandenen TIV ID. Jeder von uns hat geliefert.
Mit dieser Ausbildung haben wir das Fähigkeitsprofil des Bataillons im Bereich schnelle Verbringung von Personal erweitert. Fast Roping ist für uns jetzt kein Fremdwort mehr, sondern ein beherrschtes Verfahren.
Und mehr noch: Es ist ein weiteres Werkzeug im infanteristischen Werkzeugkasten. Eines, das im entscheidenden Moment den Unterschied machen kann.

Text: Gregor M. / Bilder & Videos: Philipp K.













